Hautnah an der Geschichte

Die Klasse 9A entziffert historische Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg.

Am 21. Juli 2026 erlebte die Klasse 9A unserer Schule eine ganz besondere Geschichtsstunde. Mit im Gepäck waren echte historische Dokumente, ein Historiker der Universität Dresden und jede Menge Entdeckergeist.

„Heute machen wir eine Quellenstunde – mehr Geschichte geht ja fast gar nicht“, mit diesen Worten eröffnete der Geschichtslehrer Frederic Reese an diesem Tag seinen Unterricht. Den Anstoß dazu hatte ein ganz persönlicher Fund gegeben: Bei der Sanierung seines Hauses in Hollfeld war Herr Reese auf einen Ordner mit originaler Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg gestoßen. Um diesen außergewöhnlichen Fund für seine Klasse lebendig zu machen, hatte er sich hochkarätige Unterstützung geholt: Dr. Oliver Kruk, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Dresden, begleitete die Unterrichtsstunde.

Sütterlin-Schrift und fehlende Postleitzahlen

Unter fachkundiger Anleitung machten sich die Schülerinnen und Schüler daran, die alten Briefe zu entziffern. Das erwies sich als echte Herausforderung, da die Dokumente in Sütterlin – einer historischen Kurrentschrift – verfasst waren. Doch mit einer speziellen Alphabethilfe knackten die Jugendlichen den Code Stück für Stück. Schnell fanden sie heraus, dass die Korrespondenz an den Hollfelder Geschäftsmann Joseph Dippold gerichtet war. Für großes Staunen sorgten dabei ganz alltägliche Details: So fehlten auf den historischen Schreiben jegliche Angaben wie Postleitzahlen. Noch überraschender war für viele jedoch der Inhalt der Post.

Menschliches hinter historischen Fakten

Entgegen der Erwartung, vor allem Berichte über das grauenvolle Kriegsgeschehen zu lesen, spiegelte die Feldpost das ganz normale Alltagsleben wider. So schrieb der Absender Johann Lund in einem der Briefe stattdessen über die schlecht erzogenen Nachbarsjungen in der Heimat. Herr Reese zog Parallelen in die Gegenwart: „Wir müssen uns vor Augen halten, dass das eben auch nur Menschen waren. Auch wenn ihr nicht zu Hause seid, tauscht ihr euch vielleicht trotzdem mit euren Freunden über Leute aus, die ihr kennt.“

Anspruchsvoll, aber macht Spaß 

Das Projekt kam bei den Jugendlichen durchweg gut an. „Es ist schon anspruchsvoll, aber es macht auch Spaß“, resümierte ein Schüler aus der Klasse 9A die Quellenarbeit. Die außergewöhnliche Unterrichtsstunde zeigte den Schülerinnen und Schülern eindrucksvoll, dass Geschichte weit mehr ist als trockene Jahreszahlen und Fakten in Schulbüchern – sie besteht aus realen Menschen, Gefühlen und den Geschichten, die sie erlebt haben. Ein herzlicher Dank gilt Dr. Oliver Kruk für seinen spannenden Einblick in die wissenschaftliche Arbeit!

Andrea Paulus

 

Mitgliedschaften und Partner

Kontakt

Staatliche Realschule Ebermannstadt
Georg-Wagner-Str. 16
91320 Ebermannstadt

Telefon: 09194 / 73830
Fax: 09194 / 738333
E-Mail: verwaltung@rsebs.de