Lebenswirklichkeit
Wie fühlte es sich an, in einem Staat aufzuwachsen, den es heute so nicht mehr gibt? Im Rahmen des Geschichtsunterrichts tauchten die Schülerinnen und Schüler der 10E am 27.02.2026 in das Thema „Lebenswirklichkeit zu DDR-Zeiten“ ein. Als Gäste durfte die Klasse Frau Braun und Frau Sperschneider begrüßen, die eindrucksvoll und sehr persönlich von ihrer Kindheit und Jugend in der Deutschen Demokratischen Republik erzählten.
Erinnerungsstücke
Besonders lebendig wurde der Vormittag durch zahlreiche authentische Exponate: Neben privaten Fotografien brachten die beiden Frauen originale Dokumente wie alte Ausweise, Zeugnisse sowie Schulhefte und Lektüren mit. Für Staunen sorgten außergewöhnliche Fundstücke wie eine über 50 Jahre alte Bildermappe aus der Kindergartenzeit, ein Original-FDJ-Hemd und Vinyl-Schallplatten aus den 1980er Jahren.
Die Zehntklässler erfuhren unter anderem, welchen hohen Stellenwert die Einschulung in der DDR genoss – ein Fest, das im Familienkreis oft groß gefeiert wurde. Frau Braun schilderte, dass für ihre Einschulungsfeier sogar die komplette elterliche Wohnung leergeräumt wurde, um ausreichend Platz für alle geladenen Gäste zu schaffen.
Kritische Aspekte
Doch das Gespräch sparte auch Schattenseiten der sozialistischen Erziehung nicht aus. Die 90-minütige Unterrichtseinheit thematisierte unter anderem kritische Aspekte wie den sogenannten „Wehrkundeunterricht“. Ergänzend dazu erhielten die Jugendlichen Einblicke in die privaten Nischen des DDR-Alltags: Berichte über Urlaubsreisen nach Ungarn oder die weit verbreitete FKK-Kultur verdeutlichten, wie sich die Menschen trotz staatlicher Vorgaben persönliche Freiräume schufen.
Vielen Dank
Die Zuhörer staunten nicht schlecht, als die beiden Damen spontan einen kurzen Dialog in fließendem Russisch darboten – ein lebendiges Zeugnis aus damaligen Schultagen, in denen diese Sprache als erste Fremdsprache verpflichtend unterrichtet wurde.
Ein herzliches Dankeschön an die beiden Zeitzeuginnen, die den interessierten Schülerinnen und Schülern einen unverfälschten Einblick in ein Leben jenseits der Mauer ermöglichten.
Andrea Paulus